Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Pressebericht vom 04.05.2005, über den tatsächlichen Gründer des "Wasserburger Frühlingsfestes", von Chefredakteur Karl Königbauer von der Wasserburger Zeitung:

Ein Tusch zum 50. Frühlingsfest

Wasserburg (koe) - 50 Jahre Frühlingsfest? Jetzt ist es quasi amtlich: Das erste Wasserburger «Frühlingsfest» war von 12. bis 21. Mai 1956. Auf Antrag der Stadtkapelle genehmigte der Stadtrat am 18. Januar 1956 ein Volksfest am Gries.

«Die Veranstaltung soll unter dem Namen "Wasserburger Frühlingsfest" laufen», heißt es dazu im Protokollbuch der Stadtkapelle. Heuer wird also das 50. Frühlingsfest gefeiert, nächstes Jahr dann 50 Jahre Frühlingsfest.

Sie war nicht immer unproblematisch, die lange Geschichte des Wasserburger Volksfestes. Wer darf das Bier liefern? Diese Frage beschäftigte zumindest in den Anfangsjahrzehnten laufend die Stadt- und Festverantwortlichen. Immerhin gab es damals noch drei Brauereien in der Stadt. Schließlich mündete dies 1987 im so genannten Bierkrieg.

Ein anderer langjähriger Konflikt ist der um die eigentliche Urheberschaft. 1985 hatte der Wirtschaftsförderungsverband die Trägerschaft des Frühlingsfestes übernommen, um mit den Einnahmen die Arbeit des damals noch jungen Verbandes finanzieren zu können. Das führte Ende der 90er-Jahre zu einer handfesten Meinungsverschiedenheit zwischen Stadtkapelle, WFV und Festmanager Alois Löw, sollte doch die Stadtkapelle praktisch ihre traditionell garantierte Mitwirkung am Fest verlieren.

Damals gingen Vorstand Horst Däullary und Mitarbeiter der Stadt ins Archiv und schauten in alten Protokollen nach. Und sie wurden fündig. Am 16. Januar 1956 beschloss der Vorstand der Stadtkapelle, bei der Stadt einen Antrag für ein Volksfest zu stellen: das Frühlingsfest. Hintergrund waren die guten Erfahrungen mit dem Bezirksmusikfest 1955, bei dem die Besucher das Festzelt in Wasserburg beinahe überrannt hätten: Das Bedürfnis nach Feiern war nach kargen Nachkriegsjahren offensichtlich groß.

Das Fest solle «dem Aufbau der Stadtkapelle dienen», außerdem der Entwicklung des Geschäftsverkehrs, heißt es im damaligen Antrag der Stadtkapelle. Und: Es könnte durchaus eine Tradition werden, blickte man damals schon optimistisch in die Zukunft. «Wir garantieren hierbei, dass unserer Stadt in keiner Weise Unkosten entstehen.»

Eine Aufstellung der Stadtkämmerei aus dem Jahr 1972 bestätigt, dass dies auch eintrat. Von 400 Mark im Jahr 1956 wurde die Platzmiete für den Gries auf 2000 Mark (1964) und dann sprunghaft weiter erhöht: 1971 schon 5000 Mark, 1972 dann 9000 Mark, nachdem andere Bewerber als Festwirte sogar 12000 Mark geboten hatten.

Die Stadtkapelle bekam und bekommt davon immer noch einen festen Betrag von 500 Mark - jetzt in Euro umgerechnet. Denn den Musikern wurde die Organisation des Festes zwar ziemlich schnell zuviel Arbeit, sie wurde an die Brauerei und die legendäre Festwirtin Heimer abgetreten. Als Mitveranstalter stand die Kapelle aber bis vor wenigen Jahren noch auf den Plakaten.

Und der Streit über die Urheberschaft am Frühlingsfest wurde irgendwann auch ausgeräumt - rechtlich eindeutig: «Der Veranstalter verpflichtet sich, die Stadtkapelle Wasserburg als Gründer des Wasserburger Frühlingsfestes anzusehen», heißt es jetzt in Paragraf acht des Vertrages mit der Kapelle, der jedes Jahr erneuert wird.