Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Bericht über die Mitgliederversammlung am 10.01.2002:

Geht der Blasmusik die Luft aus?

Wasserburg (bua) - Sorgenvolle Mienen begleiteten die Hauptversammlung der Stadtkapelle Wasserburg. Obwohl der Verein eine stolze Leistungsbilanz vorzeigen kann, wird die finanzielle Situation immer schwieriger. Offenbar wird das Interesse der Wasserburger am Blasorchester ihrer Heimatstadt immer geringer. Dies befürchten die Verantwortlichen der Stadtkapelle und suchen nach Ursachen.

Eine gut besuchte Hauptversammlung freut eigentlich jeden Vereinsvorsitzenden. Trotzdem hatte Horst Däullary als Vorstand der Stadtkapelle tiefe Sorgenfalten auf der Stirn, als er seinen Jahresbericht vortrug. Von vielen Auftritten konnte er berichten - Auftritten, bei denen in die Vereinskasse kein Geld fließt, die aber von der Bevölkerung erwartet werden.

Besonders hervorzuheben war wieder einmal die Jugendarbeit. Knapp über 40 Kinder und Jugendliche betreut der Verein derzeit in der Jugendkapelle. Im Vergleich zu einem Fußballverein wären das vier Schülermannschaften. Natürlich werden die Trainer, also die musikalischen Ausbilder über die Unterrichtsbeiträge finanziert. Darin sind aber nicht enthalten die Sachkosten wie Probenheimunterhalt, Fahrtkosten und wenn nötig auch das Notenmaterial. Da muss dann die gebeutelte Vereinskasse herhalten.

Kommune ist kein Lückenbüßer

Auch Michael Kummer, der musikalische Leiter der Stadtkapelle, ging auf die Jugendarbeit und die Finanzen ein. Die Stadt unterstütze sie zuverlässig. "Wenn die Staatsregierung die Mittel für das Laienmusizieren kürzt, kann von der Kommune nicht unbedingt erwartet werden, dass gerade sie die Löcher stopft" Trotzdem, so Kummer, darf der Verein den Kopf nicht hängen lassen. Für seine Musikerinnen und Musiker hatte der musikalische Leiter Lob und Tadel. Wie immer würde er sich einen zuverlässigeren Probenbesuch wünschen. Trotzdem war die Motivationsbereitschaft sehr hoch, was sich gerade bei den Konzerten, beim Bezirksmusikfest in Ramsau und besonders bei der CD-Aufnahme für die Sparkasse Wasserburg zeigte. Im Förderkreis GbR, der die Arbeit des Blasmusikvereins unterstützt, waren erneut weniger Firmen als Sponsoren Mitglied. Als Werbeträger scheine die Stadtkapelle uninteressant geworden zu sein. Die könne, so die verantwortlichen Gesellschafter, am Image genauso liegen wie daran, dass man die Verantwortlichen und Mitglieder des Vereins nicht mehr so kenne, wie dies früher der Fall war. Die beiden Gesellschafter Benno Klöbl und Tobias Bachmaier sahen sich vielleicht auch deshalb, aber auch aus privaten Gründen nicht mehr in der Lage, weiterhin für den Förderkreis tätig zu sein.

Immer weniger Privatpersonen sind es auch, die als passive Mitglieder mit ihren Beiträgen die Vereinskasse wieder füllen könnten, wie Vereinskassiererin Susi Klein feststellte. Die Stadtkapelle scheine als unterstützenswerte Organisation offenbar nicht mehr gefragt. Obwohl ordentlich auf die Sparbremse gedrückt wurde, schloss das Wirtschaftsjahr 2001 mit einem erheblichen Defizit ab. Für ihre überaus saubere und übersichtliche Arbeit erhielt sie von der Kassenprüferin Julia Burlefinger ein dickes Lob.

In weiteren Berichten von Vorstandsmitgliedern informierte Klaus Fichter als Festleiter über die Vorbereitungen zum Verbandsmusikfest, das im Mai 2003 in der Innstadt stattfinden wird. Mehrere 1000 Musikerinnen und Musiker aus halb Europa werden dabei "die Gassen und Kassen der Innstadt zum Klingen bringen." Die Sparkasse Wasserburg wird einer der Hauptsponsoren sein. Und der Reitmehringer Unternehmer Toni Meggle hat seine Bereitschaft erklärt, Schirmherr der Veranstaltung zu sein.

Aktiver Musiker wird spontan Sponsor

Weil sich für das dringend notwendige Kopiergerät kein Sponsor finden konnte, erklärte sich zum Abschluss der Versammlung ein aktives Kapellenmitglied aus Grafing bereit, die Kosten dafür zu übernehmen. Die gemeinsame traditionelle Gulaschsuppe leitete wie immer in den geselligen Teil des Abends über, der dieses Jahr in Kenntnis der Probleme sorgenvoller als in den vergangen Zeiten war.