Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Frühlings-Konzert vom 09.05.2009:

Klangvolle Zeitreise

Die Stadtkapelle Wasserburg verbindet bravouröse Spielkunst und Tradition. Für das Frühlings-Konzert im Bürgerspieljahr hatte Dirigent Michael Kummer die «Zeit der Sagen und Turniere» ausgewählt.

Dabei ging es aber keineswegs um Minnelieder, sondern um zeitgenössische Kompositionen zu Helden und Legenden der Vergangenheit. Gleich drei Formationen der Stadtkapelle zeigten in der Badria-Halle ihr Können. Nach musikalischen Willkommensgrüßen der Bläserjugend eröffnete die Jugendkapelle majestätisch mit Cuno Graf von Moltkes «Des großen Kurfürsten Reitermarsch» den Abend. Stephen Bullas «Tournament» schickte die Zuhörer dann auf Zeitreise zu einem Ritterturnier. Und auch «Die Chroniken von Camelot» erweckten zumindest musikalisch den Eindruck, dass das Mittelalter womöglich gar nicht so finster gewesen ist. Die 2004 entstandene Suite des Briten Philip Sparke handelt vom Hofe König Artus`, ein schwieriges und variantenreiches Stück, das von den 62 Nachwuchstalenten des jungen Orchesters famos umgesetzt wurde.

Dann übernahm die Stadtkapelle mit «Augsburger Tafelkonfekt» den Abend. Die Suite vereint in fünf Sätzen die Motive barocker Wirtshauslieder und Schwänke zu wunderschönen Klangstrukturen. Umrahmt vom Können der Fahnenschwinger des Bürgerspiels setzte sich der Abend heiter fort. Eher aufwühlend hingegen präsentierte das Orchester den «Grafen von Monte Christo», eine Komposition für Blasorchester von Otto M. Schwarz aus dem Jahr 2005. Dantès Festnahme und die Flucht vom Château d'If im Leichensack des Freundes Abbé Faria wurden darin mit dramatischen Klangbildern gezeichnet. Überhaupt scheint der Stadtkapelle die szenische Umsetzung von Filmmusik hervorragend zu liegen, wie auch «Henry V.» von Patrick Doyle aus der gleichnamigen Shakespeare-Verfilmung, arrangiert für Blasorchester, zeigte.

Wenn ein Orchester wie die Stadtkapelle in großem konzertantem Rahmen spielt, setzt man handwerkliche Perfektion voraus. Dennoch wuchs die Art der Darbietung deutlich über sich hinaus. Denn Dirigent und Musiker verstanden es prächtig, die Zuhörer mitten ins Geschehen zu versetzen. Dabei war es einerlei, ob sich die Komposition nun erhaben oder eher düster im Charakter zeigte, wie die Legende vom «Mönch und den Mühlen» von Thomas Doss. Das musikalische Ensemble brachte Spiel und inhaltliche Dramatik der Stücke miteinander in Einklang, was auch den sorgfältigen Arrangements zu verdanken war. Zusätzlich aber gelang dem Dirigenten ein brillantes Infotainment, wie es sich der Zuhörer für ein Konzert nur wünschen kann. Denn Michael Kummer sorgte unaufgeregt mit viel Witz und Sympathie in seiner Moderation für das inhaltliche Verständnis. Gefällige Musik allein reicht heute längst nicht mehr. Erst wenn man zum Thema auch die Hintergründe kennt, wird ein Konzert zu einem nachhaltigen Erlebnis.

Zum Abschluss kamen schließlich beide Orchester und somit über 120 Musiker auf die Bühne. Mit der Kreuzritter-Fanfare des Brandenburger Militärkapellmeisters Richard Henrion fand dann ein grandioser Konzertabend ein würdiges Finale.

Wolfgang Janeczka, veröffentlicht am 13.05.2009 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)