Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Frühlings-Konzert vom 08.05.2010:

Ein prächtiges Klangspektakel

Das Frühlings-Konzert der Stadtkapelle Wasserburg in der Badria-Halle überraschte in diesem Jahr nicht nur musikalisch. Eine humoristisch inszenierte Lesung ergänzte die charmante Zusammenstellung aus traditionellen und zeitgenössischen Kompositionen.

Bereits die Willkommensgrüße der „Bläserjugend“ konnten sich sehen lassen. Das Anfängerorchester unter Dirigentin Magdalena Grill spielte auf zum Standkonzert. Die Jugendkapelle eröffnete den Abend mit einem königlichen Marsch. Preußenkönig Friedrich Wilhelm III komponierte das Stück um 1806 für sein Garderegiment, für die Gäste in der so gut wie ausverkauften Badria-Halle ein würdiger Empfang.
 
Eine zeitgenössische Fantasie von Jacob de Haan führte das Publikum auf eine abenteuerlicher Reise in die Weiten Oregons. Die musikalischen Motive erinnerten an Siedler in ihren Planwagen, an Cowboys und Indianer. Der Klassiker „La Mer“ kündigte die Pause an. Sänger Charles Trenet hatte 1943 das Chanson in nur 20 Minuten während einer Zugfahrt komponiert und damit einen Welterfolg gelandet, der Musiker von Benny Goodman bis Django Reinhardt in seinen Bann gezogen hat. Zuletzt war es unter der Titelmelodie „Beyond the Sea“ im Disney Film „Findet Nemo“ zu hören.
 
Mit der exzellent arrangierten „Suite für Varieté-Orchester“ von Dmitri Schostakowitsch wurde der zweite Teil des Abends eingeleitet. Das Orchester spielte sechs der acht Sätze eines Werkes, das fälschlich lange Zeit für die verloren geglaubte „Suite für Jazzorchester Nr. 2“ gehalten wurde. Dirigent Michael Kummer sorgte mit viel Witz für Aufklärung. Das Stück entstand vermutlich erst um 1950. Dmitri Schostakowitsch war längst weltberühmt, sein Schicksal hingegen war noch immer der Gnade Stalins ausgeliefert. Jazz aber galt in dieser Ära als dekadent und war verpönt.
 
Zur Theaterouvertüre „Curtain Up!” von Alfred Reed hob sich der Vorhand für den Höhepunkt des Abends: Camille Saint-Saëns` „Karneval der Tiere“ als farbenprächtiges Klangspektakel inszeniert. Der Wasserburger Schauspieler und Theatermacher Jörg Herwegh las mit viel Herz die Loriotschen Texte zur Konversation der Tiere zwischen den Sätzen des Meisterwerks. Wie aus dem Nichts hatten sich die Musikerinnen und Musiker plötzlich Tierohren aufgesetzt. Die Tiere aber kamen zum Schaulauf auf die Bühne. Der königlicher Marsch des Löwen führte im Viervierteltakt den Einzug in die Arena an. Bei den Klängen war förmlich zu spüren, wie der König der Tiere mit raunendem Grollen sein Maul aufreißt. Dem Geschnatter der Vogelviehs folgte die Schnelligkeit der Steppentiere in Presto furioso, das sich mit der Langsamkeit der Schildkröten wiederum entspannte. Es hüpften die Kängurus und die „Persönlichkeiten mit langen Ohren“. Die Fische blubberten und die zu Stein geworden Fossilien klangen durch die Unterstützung des Xylophons ätherisch. Zum großen Finale in Molto allegro versammelten sich schließlich alle Arten noch einmal auf der Bühne.
 Passend zum Auftritt der vielen jungen Darsteller des Stadtkapellennachwuchses in Tierkostümen beendete der Marsch „Regimentskinder“ von Julius Fucik den Abend. Michael Kummer überzeugte nicht nur als Kapellmeister für zwei brillante Orchester sondern als ebenso brillanter Conferencier. Die Zugabe „Dona Nobis Pacem“ mit einem berührenden Trompeten-Solo von Martin Zwiefelhofer hatte der Dirigent in süffisanter Art gleich mit versprochen, falls das Publikum sie sich erklatscht. Dabei fehlte es an rauschendem Beifall ohnehin zu keiner Zeit.

Wolfgang Janeczka, veröffentlicht am 11.05.2010 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)