Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Frühlings-Konzert vom 12.05.2001:

Festival der Filmmusik

Zum Frühlingskonzert der Stadtkapelle Wasserburg erstrahlte die Badria-Halle in neuer Beleuchtung, die gleichzeitig zusätzliche Wärmegrade lieferte. Ein Grund mehr, das musikalische Geschehen nach Übersee zu verlegen und mit dem Filmzentrum Hollywood die Aktualität spannender Film-Tatorte zu beschwören. Doch der Werbeslogan «Nicht nur Wildes aus dem Westen» hätte in die Irre führen können, wenn man nicht Michael Kummers Spezialität gekannt hätte, modellhafte Programme zu bauen und solche, die ein Motto wie einen goldenen Faden um das musizieren von gleich zwei sinfonischen Blasorchestern spannen. Denn auch der hohe Standard von Wasserburgs Jugendkapelle ist bereits zur geschätzten Tradition geworden. So konnte das frühlingshafte Abendprogramm auch mit dieser engagierten Jugend eröffnet und zu einem musikalischen Wettstreit - um die Palme der schönsten Filmmusik oder um die beschwingteste und farbenfreudigste Verherrlichung des Frühlings - geraten.

Frühings-Konzert 2001-StadtkapelleDie eingangs vorgeführte «Jamaican Folk Suite» machte mit dem Hollywood-Komponisten Harold Walters (1918 bis 1984) bekannt. Dieser hatte 1956 mit dem dreisätzigen Originalwerk, als Mitglied und Arrangeuer der US-Navy-Band, für sein Metier «Flagge gezeigt». Solch beschwingt tänzerischer Musik konnte man sich vergnügt als nobler Unterhaltungsmusik hingeben, ebenso dann den vertrauten Melodien und Klängen der Disneyfilmmusik «Mary Poppins» von Richard Sharman, in der bläsergerechten Bearbeitung von Kostel und Reed. Doch stand eine andere Hollywoodmusik, für Blasorches-ter von Jay Bocook arrangiert, im Mittelpunkt: «Der mit dem Wolf tanzt». Der Komponist John Barry hatte für dieses Filmdrama -eine kongeniale Musik geschaffen. Die Jugend der Stadtkapelle beeindruckte durch ihr ernsthaftes, ausdrucksgeladenes Musizieren.

Mit festlichen Klängen wartete anschließend die Erwachsenenkapelle auf. Der Engländer Philip Sparke bildete mit seiner «Jubilee Overtüre» abermals einen stimmungsvollen Auftakt, und die versierten Instrumentalisten wussten mit diesem 1983 entstandenen Originalwerk für sinfonische Blasorchester vortrefflich umzugehen. Wie eine in allen Farben erblühende Frühlingswiese mochten die beliebten und vertrauten Evergreens der «Udo Jürgens»-Melodien auf Jung und Alt wirken. Und wie dann der Moderator Kummer den amerikanischen Marschmusikkönig John P. Sousa (1854 bis 1932) vorstellte und ihn an Popularität und Ansehen dem österreichischen Walzerkönig Johann Strauß gleichstellte, öffneten sich Herz und Ohren der Blasmusikfreunde für den 1895 entstandenen Marsch «King Cotton», mit dem die Wasserburger ihre Zuhörer beschwingt und schmissig in die Pause entließen.

Danach steigerte sich das attraktive Abendprogramm, in repräsentativen Blasmusik-Arrangements zu einem Triumph farbiger und dramatischer Filmmusikklänge. Schon der Titel «Hollywood-(sechsteilige) Melodienfolge der größten Filmerfolge», «Die glorreichen Sieben» (1960) oder «The Cowboy and the Girl» kündigten Höhepunkte an, und erst recht stellten die drei Komponisten, Warren Barker, Elmer Bernstein und John Williams klingende Namen dar. Mit kraftvoll drängendem Beifall erklatschten sich die Zuhörer zwei Zugaben zum festlichen und geradezu übermütigen Ausklang.

Ferdinand Mahl, veröffentlicht am 16.05.2001 im OVB unter Kultur in der Region