Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Frühlings-Konzert vom 04.05.2002:

Unterhaltung und Dramatik

Der Dirigent und Moderator Michael Kummer ist bekannt für Programmgestaltung und gekonnte Darbietung. Der Lehrmeister im Dirigieren beeindruckte beim Frühlings-Konzert der Stadtkapelle Wasserburg in der Badria-Halle durch seine Kondition und sein Durchhaltevermögen, hat er doch nicht nur souverän und elegant dirigiert, es gelang ihm auch, durch seine humorige Ansage frühlingshaft heitere Stimmung zu erzeugen. Das anspruchsvolle Programm bot jedoch nicht nur unbeschwerte Unterhaltung.

Die mit über 30 Bläsern und Schlagwerkern stattlich besetzte Jugendkapelle war einmal mehr für einen beschwingten Auftakt gut, begann mit "Antigua Bay", einem originalen Blasmusik- werk von Ed Huckeby, im Jahr 2000 komponiert. Gefällige Unterhaltung wurde da gekonnt geboten. Es folgte aus der Verfilmung des Musicals "Grease" von Barry Gibb eine für Blasorchester arrangierte Melodienfolge in vier dynamisch kontrastierenden Abschnitten. Einen "Hauch von Jazz" vermittelten die jungen Musikanten so dann und machten in klangvollen Solis auf Holz- und Metallinstrumente wie auch auf das flexible Schlagwerk aufmerksam.

Frühlings-Konzert 4. Mai 2002 Das konzertant anspruchsvolle Programm der Erwachsenen präsentierte sich in zwei Teilen. Vor der Pause gab es Festmusik aus Barock und Modeme. In einer Blasmusikbearbeitung lernte man fünf Instrumentalsätze als "Suite" aus Händels Oratorium "Saul" kennen. Barock ausgedehnt wie eine Da-Capo-Arie gab sich die Ouvertüre und eine edel klingende Oboenkadenz führte elegant vom Mittelteil zurück zum ersten. Mit Satz zwei und drei standen sich ein Trauermarsch und ein feierlich festlicher gegenüber. Verspielte Carillonklänge lockerten die Stimmung auf, be- vor triumphale Festmusik vornehmste Open-Air-Stimmung entstehen ließ. Gar übermütig mutete die anschließende "Dritte Suite" von Robert Jaeger an, 1967 als originale Bläsermusik komponiert. Professor für Komposition und Dirigieren ist der 1939 geborene Amerikaner an der "University Tennessee". Die drei Sätze seiner "Third Suite" sind voller Übermut, bravourös verfremdet er die obligatorischen Taktarten von Marsch und Walzer, ohne deren Eigenart zu zerstören. Das Rondo sprudelt vor Motorik und erinnert an einen mitreißenden 6/8-Takt-Marsch. Zu einem Kabinettstück bläserischer Unterhaltung geriet diese Suite in der Präsentation durch die Erwachsenenkapelle.

Eine noble Geste stellte die Wiedergabe des "Donez-Marsches" dar. Hier ehrte man den einstigen Stadtkapellenmeister Otto Hofmann; und die bläserfreundliche Akustik der Badria-Halle ließ den Mittelteil, das kraftvolle „Trio“, besonders imposant erscheinen.

Nach der Pause schien man zwei moderne Werke als Generalprobe für das Wertungsspiel in einer Woche beim Landesmusikfest in Bamberg zunutze: "To A New Dawn" („einer neuen Morgenröte entgegen“) und "Theatre Music" (1989) in drei Sätzen von Philip Sparke. Als Hoffnungsträger besonderer Art erwies sich hier das Orchester, bestätigte in der gewandten und flexiblen Wiedergabe den Ruf des Engländers Sparke als Spezialisten für anspruchsvolle Festmusik. Optimale Spiellaune konnte man dem Orchester auch im Schlussstück beim "Tanz der Vampire" von Jim Steinman bescheinigen. Im Wasserburger Frühlings-Konzert lernte man ein Medley in fünf Abschnitten kennen, für Blasorchester arrangiert von Wolfgang Wössner. Für sichtbar tänzerische Bewegung sorgten Mädchen der Jugendkapelle, indem sie links und rechts von der Bühne als "Schattenballett" die Musik belebten.

Festliche Töne und farbige Klänge gab es auch bei den Zugaben. Im "Type-Writer" hätte man den Solisten gern vorn gesehen, wo sich der zarte Schreibmaschinenklang im Wettstreit mit der Fingerfertigkeit des Holzbläserchors besser durchgesetzt hätte.

Eine weihevolle Stimmung ließ das Orchester entstehen, als es dem Altbürgermeister von Wasserburg, Dr. Martin Geiger, mit der blasmusikkundig bearbeiteten "Air" von Bach hoch verdienten Dank abstattete. Danach feierte man noch weiter an gedeckten Tischen und bei zünftigen Blasmusikklängen.

Ferdinand Mahl, veröffentlicht am 10.05.2002 im OVB unter Kultur in der Region