Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Frühlings-Konzert vom 08.05.2004:

Jubiläum im Frühling

Beide Wasserburger Orchester zusammen beim spielen der Zugaben!Wasserburgs Stadtkapellmeister Michael Kummer hatte mit seiner Jugendkapelle im Foyer der Wasserburger Badria-Halle die herbeiströmenden Gäste mit Tanzsätzen von Edvard Grieg und alsdann im weiträumigen Saal die Gastkapelle aus Wasserburg am Bodensee mit ihrem Dirigenten Engelbert Martin besonders herzlich begrüßt, galt es doch, die 50-jährige Musiker-Kameradschaft als Anlass zu einem außergewöhnlichen Konzert hervorzuheben. Zwei Höchststufen-Blaskapellen hatten sich zusammengetan, um in einem Doppelkonzert das Jubiläum und den Frühling entsprechend zu begehen. Das Orchester aus Wasserburg am Bodensee begann mit der Originalkomposition von Professor Wilhelm Stärk «Festlicher Auftakt». Wie ein barockes Präludium gegliedert, bot das Werk die Möglichkeit, nach Art eines Orgelwerkes die farbigen Klangregister eines Blasorchesters vorzuführen und wurde zur tänzerisch beschwingten Entrada.

Erwarteter Höhepunkt im Programm der Schwaben war die «Wilhelm Tell-Ouvertüre», in der bewährten Blasorchesterfassung von Schmidt-Köthen. Die klingende Verherrlichung der Natur erinnert hier an Beethovens Pastoralsymphonie, Schillers Drama aber wurde durch den Italiener Rossini zum Klassiker der Oper und stellte durch die klare Konzeption des Dirigenten Engelbert Martin den unbändigen Freiheitsdrang in den Mittelpunkt. Und der Gesamteindruck der Interpretation des schwäbischen Höchst-Rang-Blasorchesters? Klassisch vornehm, klangschön und ebenso dramatisch!

Vor Beginn des zweiten Teils ehrte Stadtkapellmeister Kummer den Waldhornisten Franz Oswald, der sich zu seinem 80. Geburtstag nichts Schöneres gewünscht hatte, als diesen aktiv im Rahmen dieses Festkonzertes zu feiern. Festlich begannen die Innstädter auch das konzertante Programm von Richard Strauss, den Münchner Komponisten von Opern und sinfonischer Dichtungen, spielte man mit festlichem Trompetenglanz die Blasorchesterfassung des «Parademarschs des Regimentes Königsjäger zu Pferde Nr.1» Dann aber erklang südländisch glutvolle Opernmusik. Ein großer Querschnitt aus «Carmen» von Georges Bizet, in der Blasorchesterfassung von Safranek bildete dann den Höhepunkt des zweiten Programmteiles. Hier zog Michael Kummer alle Register seines sinfonischen Orchesterklanges. Im Programm der Kontraste folgte als Überraschung ein «Scherzando» für Flöte und Blasorchester von Josef Bönisch. Der Dirigent hatte dieses humorig angekündigt, die Solistin Monika Macht sodann mit ihrem gewandten und charmanten Flötenspiel helle Freude ausgelöst. Daraufhin gab es ein Leckerbissen für Jazzfreunde: «Soul Bossanova» von Quincy Jones. Bestechend war das Zusammenspiel und der Wechsel von Soli und «Chorus», herausragend das Trompetensolo von Mathias Engl. Dann ein lyrischer Abschluss mit «Amazing Graze», einer Liedbearbeitung von William Hirnes. Dem Solisten Martin Zwiefelhofer gelang hier auf dem Flügelhorn ein stimmungsvoller Abschluss.

Nicht wenig gespannt war man auf die Zugabe: Beide Blasorchester hatten im Nu stehend die Bühne besetzt und betonten gemeinsam ihr Freundschaftsjubiläum mit dem «Schönfeldmarsch» des Wieners Carl Maria Ziehrer und dem «Florentinermarsch» des Pragers Julius Fucik.

Ferdinand Mahl, veröffentlicht am 13.05.2004 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)