Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Frühlings-Konzert vom 23.04.2005:

Sinfonisch farbig und dynamisch dezent

Mit zwei sinfonischen Blasorchestern gestaltete die Stadtkapelle Wasserburg ein frühlingshaft buntes Programm, europäisch romantisch und amerikanisch modern.

Die Jugendkapelle gab mit drei Werken den dezent farbigen Auftakt, beeindruckte einmal mehr mit ihrem hohen Leistungsstand, ihrer Aufmerksamkeit und ihrem engagierten Musizieren. Die ausgeglichene Besetzung mit komplettem Holzregister einschließlich zweier Oboen sowie Blech- und Rhythmusinstrumenten ermöglichte eine dynamisch ausgewogene, dezente und sinfonisch farbige Darstellung. Man lernte dabei ansprechend zeitgenössische Blasmusik kennen, so «Folk Songs and Dances» in drei Sätzen von David Stone, anschließend von Markus Götz, dem Blechblasexperten: «Adebars Reise», eine märchenhafte Vision von Aufbruch und Rückkehr der Störche in ihre Heimat. «Die Wüste Negev», von Edward Edelson 1956 rhythmisch bewegt und mit kontrastierenden Farben vertont, kündete von «Diaspora»-Minderheiten, ihrer «Zerstreuung» und Heimkehr. Für alle drei eindrucksvoll dargebotenen Werke erhielten die jungen sinfonischen Blasmusiker anhaltenden Beifall.

Die Erwachsenen begannen mit zwei Komponisten aus der Romantik, erfreuten die Zuhörer mit der Ouvertüre zum Singspiel «Pique Dame» von Franz von Suppé, dem Begründer der Wiener Operette. Der Text, einst von lokaler Bedeutung, findet längst keine Beachtung mehr. Populär und beliebt aber blieb die Ouvertüre, hinreißend, beseelt und in blühenden Farben brachten die Wasserburger diese Musik in der von Gerhard Baumann 1999 bearbeiteten Fassung zur Geltung. Anschließend stellten sie den erfolgreichen Opernkomponisten Gioacchino Rossini mit dessen «Soirées Musicales» von einer weniger bekannten Seite vor, mit dessen fünf Klavierstücken, die Benjamin Britten zu einer Suite zusammengestellt und T. Conway-Brown 1946 für Blasorchester bearbeitet hat. Die fünf Sätze sind schon dem Namen nach Tänze und erschienen in der sinfonisch orchestralen Fassung als ein froh bewegtes Bild in Farben, dezent in der Dynamik. Als Juwel im Mittelpunkt eine Canzonetta, deren betörend schöne Melodie Martin Zwiefelhofer als bekannt lyrischer Trompeter gebührend hervorhob.

Nach der Pause galt es, mit amerikanischem Sound die Qualifikation für Wertungsspiele zu beweisen. Der Japaner Hyato Hirose hat 2004 ein Pflichtstück für die Oberstufe geschrieben: «American Overture». Moderne Rhythmen und bewegtes Tempo stellen hier die Ansprüche dar, ebenso aber auch kontrastierende Lautstärke. Und die Melodie wurde sogar in der stilsicheren Gestaltung zum Leitmotiv der Freude.

Als Auswahlstück für Wertungsspiele hatte man «The Wind In The Willows» von Johan de Meij in das Frühlingsprogramm eingefügt. Immerhin hat der Holländer mit seinem «Herr der Ringe» Weltgeltung erlangt. Bei diesem «Wind in den Weidenbüschen» hatte Kenneth Grahame schon 1908 mit diesem seinem Kinderbuch Begeisterung erregt. Die Musik verstanden die Wasserburger Interpreten als farbenfrohes, klingendes Ereignis zu vermitteln. Zudem hatte man die Idee von Irmengard Zwiefelhofer verwirklicht: Es kamen, im Blickpunkt des Publikums, lebende Bilder hinzu. Die Jüngsten der Stadtkapelle verkörperten die Tiere, die in Grahames Bilderbuch vorkommen. Auch ein Automobil war dabei, und die Musik lief beschwingt weiter, bewegt vom Wind bereits beim 1. Bild "The River", steigerte sich zum Hymnischen Schluss, als wollte sie die Freude über glückliche Heimkehr des Ulysses (4. Satz) verkünden.

Für «A Tribute to the Count Basie Orchestra» hat Toshio Mashima 1949 drei Stücke mit programmatischen Titeln zusammengefasst. Da schienen Rhythmik und volle Lautstärke als Ausdruck des Übermuts vorprogrammiert. Doch bestand der Anspruch gerade in der Abstufung der Dynamik. Auch die Melodie erhielt ihre dominante Rolle und bewegte sich wie ein Leitmotiv durch die Komposition. Solisten bekamen hier Gelegenheit, sich abwechselnd zu bewähren. Die Zuschauer bestätigten mit kraftvollem Beifall die schier akrobatische Leistung.

Stadtkapellmeister Michael Kummer, der das Programm informativ und humorvoll präsentierte, hatte noch zwei Zugaben parat, wohl vorbereitet und treu der Devise: «Sinfonisch farbig und dynamisch dezent!» Dynamisch verhalten, aber flott bewegt war der Marsch: «Tiroler Adler». Dann aber gab es die schönstmögliche Steigerung zurück zur geradezu feierlichen Stille bei des Komponisten Ennio Moricone's Melodie «Gabriels Oboe»! Der Solist Horst Däullary ließ das Publikum aufhorchen und erhob sein edles Instrument als die stilisierte Hirtenschalmei zum Symbol für verinnerlichtes Musizieren und Hören.

Ferdinand Mahl, veröffentlicht am 28.04.2005 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)