Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Frühlings-Konzert vom 13.05.2006:

Galakonzert zum Frühling

Die Stadtkapelle Wasserburg trat in drei Formationen beim Frühlingskonzert in der Badria-Halle auf. Schon im Foyer des Wasserburger Sport- und Kulturzentrums wurde man freundlich mit Musik empfangen und war überrascht von dem Bläsernachwuchs, der sich mit 50 Spielern präsentierte und gerade die Instrumente offerierte, die man in einem sinfonischen Blasorchester braucht: Oboe, Fagott, Waldhorn und Tuba. Ausbildungsleiter Martin Zwiefelhofer zeigte dabei auch seine Kunst im Dirigieren.

Das Galakonzert wurde dann vom Jugendblasorchester in der stattlichen Zahl von 45 Mitwirkenden eröffnet. Am Konzertmeisterpult saß die neu gewählte Jugendleiterin Vroni Koller und führte die zwölf Klarinettisten an. Die «Ouvertüre Festive» des Belgiers André Wagnein, eine 2004 geschriebene Originalkomposition, erwies sich als motivierende Musik für Jugendliche und kam auch als stimmungsvoller Auftakt beim Publikum gut an. Stadtkapellmeister Michael Kummer ergriff sodann als Moderator das Wort und hob den erfreulichen Leistungsstand hervor, der nicht zuletzt durch die Integration der Realschul-Bläserklassen ermöglicht wurde. So zeigte sich das jugendlich sinfonische Blasorchester auch den Ansprüchen der «Montañas del Fuego» («Feuerberge») von Markus Götz gewachsen und setzte dessen «Impressionen von der Insel Lanzarote 2005» in melodisch farbige Konturen um. Auch Manfred Schneider ist als Komponist ein Spezialist für Jugendmusik und sein ansprechendes Interplay «Young Life» (1990) bildete gleichzeitig die Überleitung zum Höhepunkt des Wasserburger Galakonzerts.

Die Erwachsenenkapelle trat mit 55 Musikern auf, wobei nun der angekündigte «Abend mit slawischer Musik» begann. Nikolai Rimski-Korssakow wirkte zunächst wie ein mächtiges Eigentor. Aus der Ballettoper «Mlada» führten die Wasserburger den «Einzug der Edlen» voller Glanz vor und vermittelten dabei in einer sinfonischen Blasmusikfassung von Erik Leidzen (1938) einen wesentlichen Zug slawischer und russischer Mentalität: die Freude am vitalen Tanz. So war man eingestimmt, aber auch gespannt auf Carl Friedemanns «Slawische Rhapsodie Nr. 2», von der man erfahren hatte, dass die Wasserburger bei der großen Blasmusikgala des Bayerischen Rundfunks in Marktoberdorf den Musikbund Ober-/Niederbayern repräsentieren durften. Mit besonderer Spannung erwartete man daher das berühmte Werk in der exquisiten Bearbeitung. Schon bei den ersten Takten fühlte man sich vertraut mit den bekannten Melodien und den vitalen Tanzrhythmen. Gipfelpunkt war die große Solokadenz, die der Klarinettist Georg Auer ohne Makel und mit Bravour vorführte.

Auf hohem Niveau ging es im zweiten Teil weiter, jetzt nicht mehr nur slawisch orientiert. Man konnte, laut Hinweis des Dirigenten, bei «Hill Country Holiday» mit dem Effekt von Kontrasten rechnen. Robert Sheldon hat dieses Werk für die «Association of Small Bands of Texas» geschrieben. Die groß besetzten Wasserburger hatten aber Gelegenheit, ihr differenziertes Blasorchester wie eine Orgel und mit Terrassendynamik vorzuführen. Vielfältiges Schlagwerk sorgte dabei für rhythmische Akzentuierung. Weiteren Kontrast und Höhepunkt bildete die «Russian Christmas Music» des erfolgreichen Blasmusikkomponisten Alfred Reed (1921 bis 2005), weihnachtlich nur, weil darin Choralmelodien orthodoxer Liturgie verwendet sind, im Weiteren und Wesentlichen aber Ausdruck slawischer Melancholie und russischer Frömmigkeit. Ein ausgedehntes Englischhorn-Solo, von Horst Däullary souverän vorgeführt, war für Melancholie und Ausdruck von Frömmigkeit ebenso gut.

Und noch einmal ein effektvoller Kontrast im Galakonzertprogramm: eine «groteske Humoreske» mit «Anatevka» von Jerry Brook, angekündigt als Medley der schönsten Melodien, darüber hinaus aber, in der gewichtigen Darstellung, sich zur Konzertsuite steigernd und somit würdiger Bestandteil eines Galaabends. Moderator Kummer wollte jedoch nicht gar zu ernst abschließen und kündigte mit gleich zwei Zugaben einen heiteren Ausklang des Frühlingskonzerts an: des amerikanischen Marschmusikkönigs John Philip Sousa «King cotton» und operettenhaft von Paul Linke «Bis früh um fünfe». So wurde der Galaabend auch zum Abend der bewundernswerten Kondition!

Ferdinand Mahl, veröffentlicht am 19.05.2006 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)