Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Herbst-Konzert vom 11.11.2000:

Gags und Überraschungen

Eindrucksvolle Leistungsschau und zukunftsorientierte Programmgestaltung, dazu starke Resonanz des Publikums - dies war das erfreuliche Fazit des Herbstkonzerts der Wasserburger Stadtkapelle in der Badria-Halle. Zuständig für Planung und Durchführung und stets für Überraschungen gut ist Dirigent Michael Kummer.

Film und Musical bildeten den thematischen Rahmen für das Herbstkonzert. Man hatte es erstmals auf einen Samstag gelegt und damit auch jene Musikfreunde als Zuhörer gewonnen, für die der Freitag noch nicht das Wochenende bedeutet.

Bemerkenswert aktuell erschien die Werkauswahl, eine Mischung originaler und sachkundig arrangierter Blasmusik, das Neueste vom Notenmark. Mit den attraktiven Titeln aus Film und Musical hatte man auch chronologisch ein «Spielfeld» abgegrenzt, das von 2000 bis 1967 zurückreichte.

Das verheißungsvolle Vorspiel bestritt die Jugend. Sie stellte mit über 40 Instrumentalisten ein ebenso stattliches wie ausgeglichen besetztes «sinfonisches» Blasorchester dar. Statt ermüdender Lautstärke kamen durch das wohl abgestimmte Verhältnis der Gruppen von Holz-, Blech- und Schlaginstrumenten der belebende Kontrast und der Reichtum an Klangfarben zur Geltung. So wurde die Jugend der ohnehin farbigen Thematik von Musical und Filmmusik vorbildlich gerecht. Von den drei Beiträgen der Jugend bildete die «Jubilee Ouvertüre», Orginalwerk und Pflichtstück für 2000/01 des Schweizer Erfolgskomponisten André Wagnein, den Auftakt des Bilderbuchprogramms. Das aparte Altsaxofon-Solo spielte ein Mädchen (eines der jüngsten Mitglieder), so bildschön, dass sie des belgischen Instrumentenbauers Adolphe Sax Idealvorstellung entsprach, mit einem «Sax» die Vorzüge eines Holz- und eines Blechblasinstruments zu verbinden.

Auch die sechs Titel der Erwachsenenkapelle stellen ein klingendes Bilderbuch dar. Die Autoren, Komponisten und Arrangeure bildeten allein schon ein Kaleidoskop weltweit verbreiteter, moderner Blas- und Bühnenmusik.

Als Kuriosum sei «Der Centurion» des Engländers Philip Sparke erwähnt, als Konzertmarsch in Auftrag gegeben, der Titel jedoch ohne plausiblen Bezug, doch immerhin zur Unterscheidung bei der Unzahl von Marschkompositionen gut. Die nicht nur in Marschmusik versierte Erwachsenenkapelle führte dieses konzertante Auftragswerk mit bemerkenswertem Charme und anglikanischer Noblesse vor.

Unterhaltung auf hohem Niveau hatte Conférencier Kummer beschworen. So kündigte er mit der Musik für Walt Disneys Zeichentrickfilm «Das Dschungelbuch» die Sensation des Konzertabends an. Die gekonnte Darbietung war voller Gags und Überraschungen. Dass der bärenstarke Balu leibhaftig im Saal herumgeisterte, war ein ebenso geglückter Effekt wie das Gospelsänger-Septett, das aus einer rückwärtigen Guckkastenbühne den Riesenspaß vervollständigte. Farbige Klänge und professionelle Soli zogen sich quer durch alle Register von Holz und Blech. Das behände Schlagwerk stand am Ende mit Wucht gegen das «Begleitorchester» auf, um die harte Action in «The Rock» von Hans Zimmer zur dramatischen Finalwirkung zu bringen.

Zu Kummers Spezialitäten gehören die wohl bedachten Zugaben. Mit «Moon River» wurde eine festliche Hollywood-Musik nachgeholt, die beim sommerlichen Open Air dem Regen zum Opfer gefallen war. Südamerikanisch heiße Klänge gab es dann mit «Brasil tropica», gleichsam als Aperitif für die anschließende Bewirtung im Badria-Saal.

Ferdinand Mahl