Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Herbst-Konzert vom 10.11.2001:

Unterhaltung auf hohem Niveau

Der vergangene goldene Oktober schien das Herbst-Konzert der Stadtkapelle in Wasserburgs Badria-Halle nochmals und in bunt orchestralen Klangfarben erstrahlen zu lassen. Ein Doppelkonzert war es einmal mehr, mit beschwingtem, dreiteiligem Auftakt der Jugendkapelle. Diese gab mit ihren Beiträgen klingende Rechenschaft vom hohen Standard, den sie unter der kundigen Führung von Michael Kummer erreicht hatte. Es waren immerhin zehn Jahre Aufbauarbeit, die der angesehene Dirigent und Experte sinfonischer Blasmusik, zusammen mit den Lehrern der vereinseigenen Bläserschule, geleistet hatte. Angenehm wirkte das dynamisch dezente Musizieren, die Beweglichkeit in Tempo und Agogik, ebenso die saubere Intonation und der erfreulich geschlossene Gesamtklang. Dies alles diente einer echten Unterhaltung und erweckte Freude bei den zahlreichen Zuhörern. Da lernte man mit Frantisek Manas (geboren 1921) den Regisseur des Tschechischen Rundfunks Brünn kennen. Dessen «Mährischer Tanz Nr. 7» wirkte geradezu wie eine Aufforderung zum Tanz. Und ebenso tänzerisch orientiert: die Suite mit Musik aus amerikanischen Fernsehserien, 1952 von Harold Walters zusammengestellt, wo mit vertrauten Klängen Erinnerungsseligkeit geweckt wurde, mit kecken Klangeffekten aber auch die einzelnen Klangregister gekonnt einander gegenübertraten. «Holz gegen Blech», mit Schlagwerk-Pfeffer und in schrägen Rhythmen schien man um optimales Vergnügen wetteifern zu wollen.

Stadtkapelle - Herbst Konzert 2001 Dass sich von den Jugendlichen inzwischen wieder etliche für das Erwachsenen-Orchester qualifiziert hatten, konnte man als aufmerksamer Beobachter beim Konzert der Stadtkapelle feststellen. Da gab es bei dessen erstem Programmteil anspruchsvoll moderne Originalkompositionen. Moderator Kummer hob hervor, dass die «Boulevard Ouvertüre, Opus 103» von Hans Mielenz vor sechs Jahren als Wertungsstück von den Wasserburgern vorgestellt worden war. Noblesse und vielfältigste Ansprüche der Komposition kamen auch diesmal zu gebührender Geltung. Mielenz hatte bis zu seinem Tod in Aschau im Chiemgau gelebt und als Kirchenmusiker gewirkt.

Wie ein freundschaftlicher Gruß von Stephan Ametsbichler, dem Dirigenten und Arrangeur der Stadtkapelle Rosenheim, erklangen «Drei Humoresken aus Opus 103» von Antonin Dvorák, original für Klavier, vom «gelernten» Klarinettisten stilgerecht böhmisch musikantisch für großes Blasorchester in bunt orchestrale Klangfarben umgesetzt. Mit dem flotten Marsch «Showtime» des Österreichers Manfred Sternberger war der erste, echt vergnügliche Teil elegant abgerundet.

Festlich und in metallenem Glanz begann der zweite. Wie ein feierlicher Einzug gab sich «Magic Tower» von Hubert Meixner aus Vagen bei Bad Aibling, originale Blasmusikkomposition von 2000. Erregend farbig wirkte sodann die «Fünfte Suite für Blasorchester» von Alfred Reed (geboren 1921), als «Internationale Tänze» effektvolles Gegenstück zur TV-Suite in Teil eins. Ein heiterer Abglanz von der globalen Macht der Musik hielt da die Zuhörer in Atem, spezifische Tanzstücke, amerikanisch, japanisch und rumänisch/jiddisch. Grüße an den amerikanischen Jazz, suitenhaft viersätzig, schlossen sich an, für Bigband zusammengestellt von Sammy Nestico. Vier Titel stammten von Phil Collins, im meisterlichen Arrangement von Walter Ratzek, der als moderner Stabsmusikmeister der Bundeswehr auch Unterhaltungsmusik als Aufgabe ernst nimmt.

Mit zwei originellen Zugaben: «I will always love you», dynamisch verhalten und mit betörend schönem Trompetensolo, sodann wie überleitend zum geselligen Teil der traditionelle «Braunschweiger» Repräsentationsmarsch, bedankten sich Dirigent und Orchester für den anhaltenden Beifall. Michael Kummer hatte an diesem Abend auch noch, als stellvertretender Präsident des Musikbunds, eine Ehrung für verdiente Blasmusiker (in Silber und Gold) vorzunehmen und öffnete auch einen Blick in die Zukunft. Gewiss hatte er auch Verdienste am Zustandekommen des Verbandsmusikfests 2003 in Wasserburg. Dann gibt es ein Mehrfachjubiläum: 50 Jahre Musikbund Ober/Niederbayern, 50 Jahre neu gegründete Stadtkapelle Wasserburg und persönliches Jubiläum des 1953 in Ulm geborenen Vielfachtalents Michael Kummer.

Ferdinand Mahl, veröffentlicht am 14.11.2001 im OVB unter Kultur in der Region