Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Herbst-Konzert vom 06.11.2004:

Moderne, anspruchsvolle Blasmusik

Die weiträumige Badria-Halle bot nicht nur den zahlreichen Besuchern des Herbstkonzerts der Stadtkapelle Wasserburg Platz, sie verbreitete auch die Klänge von Bläsermusik, ohne dynamisch auszuufern.

Die inzwischen auf 40 Mitwirkende angewachsene Jugendkapelle konnte sich gleich beim Auftakt als bemerkenswert kultivierter Klangkörper präsentieren und gab mit «A Joyful Day», einem Originalwerk der Blasmusik von Klaus P. Bruchmann, das Motto des Abends bekannt: «Ein Tag voller Freude» wurde verkündet, fürwahr eine verheißungsvolle Eröffnungsmusik! Gleich drei Originalwerke aus den 90er-Jahren ließen anspruchsvolle Blasmusik erwarten. Und die Jugendkapelle hatte mit ihrer vielfältigen Besetzung eine große Bandbreite von Klangfarben zur Verfügung, sogar mit Oboen und sechs Saxofonen. Kultiviert und tonschön auch der Chor der Klarinetten und Flöten! Dem angenehm gedämpften Holz gegenüber ließ auch das Blech aufhorchen und solistisch eine Trompete, die Glanzlichter setzte. Stadtkapellmeister Michael Kummer hatte keine Mühe, auch bei der «Discovery Fantasy» von Jan de Haan und den «Twins» Jan Hadermanns, seine Mannschaft über alle Klippen moderner und anspruchsvoller Blasmusik zu steuern.

Mit Bühnenmusik aus der Romantik erfreute danach die Stadtkapelle zunächst die Zuhörer. Edvard Griegs «Huldigungsmarsch» aus Bijornsons «Sigurd Jorsalfar», in der Blasmusikfassung von Franz Watz, ließ die bekannt-festliche Melodie in der ausgewogenen Wiedergabe zum besonderen Hörgenuss werden. Aus Charles Gounods Oper «Margarethe» stand im Mittelpunkt des Abendprogramms die «Ballettmusik» in sieben Sätzen. Wiederum hatte man eine Blasmusikfassung von hoher Qualität, hier von Dan Godfrey aus dem Jahr 1918, ausgewählt. Der «berauschende Klang», den man Gounods Ballettmusik nachrühmt, ist auch den Wasserburgern gelungen.

Dennoch gab es nach der Pause noch Steigerungen. Vom bläserischen Wohlklang war auch die «Huntingdon Celebration» geprägt, als Auftragsmusik zum zehnjährigen Bestehen der «Huntingdonshire Concert Band» für großes Blasorchester 2003 vom Londoner Philip Sparke geschrieben. Eine Musik der Freude, impulsiv und, auf den Namen «Hunting» anspielend, eine Jagdmusik, vorwärts drängend und um den «jubilierenden» Musikern eine erfolgreiche Zukunft zu wünschen.

Kurt Gäble war der Komponist eines Doppelkonzerts für zwei Flöten und Blasorchester. Keltische Sagenwelt und Zauberkraft der Flöten hat er in diesem dreisätzigen Konzert zu einer magischen Musik verbunden, brauchte dafür zwei «Zauberflöten» und ein auf kammermusikalische Lautstärke eingeschworenes Begleitorchester. Beides stand dem Dirigenten zur Verfügung. Monika Machl und Birgit Hundmaier waren die rechten und sehr gewandten Interpretinnen, denen man auch die Freude am solistischen Spiel anmerkte. Etwas Besonderes hatte man für den Schluss vorgesehen, Filmmusik von John Williams. Ein großes, symphonisches Medley aus «Jurassic Park» stand auf dem Programm. Filmmusik gehört zu den schönsten Aufgaben moderner Konzertprogramme, und auch die Blasmusikfassungen zählen dazu. Ohne Zeichen von Ermüdung konnten die Mitwirkenden diese Filmmusik bewältigen. Einmal mehr bewiesen die versierten und geschulten Spieler, dass ihnen solche Musik besonders liegt. Dann hatten sie noch die Kraft, sich mit zwei Zugaben für den anhaltenden Beifall zu bedanken. Dabei gedachten sie ihres einstigen Dirigenten Otto Hofmann. Dessen «Donez-Marsch» wurde zur Ehrenbezeugung für den Vollblutmusiker und Berufsdirigenten. Die Hochstimmung in der Badria-Halle verlangte eine zweite Zugabe. Auch dies war ein Marsch besonderer Prägung: «Arsenal» vom Belgier Jan van der Roost.

Ferdinand Mahl, veröffentlicht am 10.11.2004 in "Kultur in der Region" des OVB Rosenheim