Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Herbst-Konzert vom 05.11.2005:

Sonniges Herbst-Konzert

Höhepunkte aus der Musik Spaniens und Südamerikas waren beim Herbstkonzert der Wasserburger Stadtkapelle in der Badria-Halle angekündigt, doch wurde in der Jugendkapelle zunächst klassisch und romantisch musiziert, sehr zur Freude der Zuhörer. Gleich beim Auftakt kam Mozarts Menuett aus dessen Divertimento KV 166, original für zehn Blasinstrumente, auch in der Bearbeitung für Blasorchester zur transparenten Geltung. Daraufhin hatten die beiden «Valses nobles» von Franz Schubert keine Mühe, ihren Wiener Charme in Melodie und Walzertakt zu entfalten. Im Original sind sie wohl für Klavier geschrieben, doch mit der farbigen Instrumentierung für Blasorchester kamen sie dem «ad libitum-Tanzorchester» der Wiener Hofbälle nahe. Joseph Haydn hat für den Hof des englischen Königs seine zwölf «Londoner Sinfonien» geschrieben und dabei anscheinend noch Zeit gefunden, einen Parademarsch «For the Prince of Wales» zu komponieren. Sehr geschickt waren die drei genannten Kompositionen von David E. Stone 1984 zu einer «Suite Classique» zusammengefasst und konnten so im Herbstkonzert wie eine dreiteilige Ouvertüre und als stimmungsvoller Auftakt dienen. Hauptwerk der Jugendkapelle war jedoch eine Rhapsodie für Blasorchester: «African Inspirations», von Markus Götz 2004 als Originalwerk komponiert. Der Werkform getreu geriet die Darbietung zu einem Kaleidoskop moderner Klangfarben.

Die Erwachsenenkapelle präsentierte sich anschließend in zwei Teilen. Der Erste galt Jacques Offenbach, Emile Waldteufel und Gioacchino Rossini. Letzterer vollzog den Übergang von der Klassik zur Romantik, und dessen Ouvertüre zu «Der Barbier von Sevilla» ist zum Bravourstück der Rossini-Ouvertüren geworden. Dirigent Michael Kummer brachte die von Gerhard Baumann 2002 kongenial verfasste Blasorchesterfassung ebenso bravourös mit seinen Wasserburgern über die Badria-Bühne. Da fügte sich wie von selbst der ungekrönte Walzerkönig Emile Waldteufel ins Programmkonzept, und sein Konzertwalzer «Estudiantina» entfachte einen Wirbel von Tanzseligkeit. Da war der Schritt zur «leichten Muse» mit Jacques Offenbach vollzogen. So konnte mit dem «Brasilianer Galopp» aus dessen Operette «Pariser Leben» der Teil «Oper, Walzer und Operette» elegant abgerundet werden.

Südamerikanisch, brasilianisch und mexikanisch ging es im zweiten Teil des Konzerts der Stadtkapelle weiter. Arie Maasland aus Rotterdam stand mit der dreisätzigen Konzertsuite «Cordilleras de los Andes» auf dem Programm. Diese vitale südamerikanische Konzertsuite brachte Michael Kummer mit dem hier rhythmisch und klanglich erweiterten Wasserburger Blasorchester zur Geltung. Dass gesteigerte Wirkung nicht durch größere Lautstärke entsteht, bewies «ein großes Solostück für Trompete» mit dem Wasserburger Solisten Martin Zwiefelhofer. Man war ergriffen von solch verinnerlichtem Trompetenklang und ebenso beeindruckt von der Virtuosität, welche der Solist scheinbar mühelos bewältigte. Dabei lieferte das Begleitorchester mit seinen vielen Registern einen farbigen Kontrast.

Mit einem humoristischen Schlusswort kündigte Moderator Kummer einen abschließenden Höhepunkt mit der «Second Suite for Band» von Alfred Reed an. Mit dem Untertitel «Latino-Mexicana» hatte der Komponist diese Folge von Tänzen zusammengefasst. Hier erklang südamerikanische Musik europäisch nachempfunden. Zu zwei Zugaben zeigte sich das Wasserburger Blasorchester auch noch bereit: «Brasil» wie auch «Copa Cabana» bildeten eine thematische Ergänzung des südländisch sonnigen Abendprogramms.
 

Ferdinand Mahl, veröffentlicht am 09.11.2005 in "Kultur in der Region" des OVB Rosenheim