Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Herbst-Konzert vom 04.11.2006:

Michael Kummers Experimentierfeld

So beiläufig ließ Michael Kummer in seinen das Herbst-Konzert begleitenden Worten durchblicken, dies sei das 50. Konzertdirigat bei der Wasserburger Stadtkapelle.

Scherzhaft fügte er hinzu, die Wasserburger seien als sensibles Publikum ja «Kummer gewohnt». Gemeint war natürlich: im positiven Sinne. Denn diese Bläserkapelle hat sich unter ihrem Leiter zu einem experimentierfreudigen Klangkörper entwickelt und sich über die Fortführung von Tradition hinaus auch damit weit über die Grenzen der Wasserburger Leiten einen Namen gemacht. Michael Kummer sorgt für die Weiterbildung nicht nur bei seinen Musikern, sondern auch bei den Zuhörern. Und schmackhaft macht er dies nicht zuletzt durch originelle Conférence bei den Konzerten. Das schmissige Blech, die zündenden Märsche und Evergreens sind meist Kennzeichen von Blaskapellen. Doch die Wasserburger bieten mehr. Die Kapelle ist ein subtiler und differenzierter Klangkörper geworden. Man traut diesen Musikern zu, alles was man für solches Ensemble schreiben kann, auch gut zu spielen. Eine Entwicklung vom Marschflugkörper zur wandlungsfähigen Weltraumstation sozusagen.

Doch an diesem Abend musste man den Höhenflug nicht so weit wagen. In Zeitungsvorschau und Programm war für die Zuhörer Asien als Nahziel ausgiebig vorbereitet worden, sodass eine Wiederholung von Einzelheiten sich hier wohl erübrigt.

Erstaunlich zu bemerken war, was da aus der Sicht westlicher Komponisten heraus an asiatisch anmutenden Klängen in Noten umgesetzt wurde. Von Paul Lincke über Albert W. Ketelby zu Warren Barker reichte die Palette, doch auch ein Original-Japaner fand sich unter den Komponisten.

Zu Anfang des Konzerts war die Resonanz in der Badria-Halle verhalten, steigerte sich jedoch im Beifall gegen Ende zu, und man erklatschte zwei Zugaben. Dies spiegelte auch die Performance der zwei Orchester von Bläserjugend und Erwachsenenkapelle wider, die ebenfalls zu Höhepunkten auflief: Mit «Warabe Uta», dem besagten original-japanischen Opus, in dem ein Flötensolo über Tamtam- und Tubaklängen schwebte. Mit einer «Chinese Folk Suite», in der die Musik in Klänge aufgelöst schien, welche meist im Piano verharrten, und wobei Taktwechsel keinerlei Probleme bereiteten.

In eine fremde Welt tauchten die Wasserburger Musiker ein, aber Kummer legte in einer Zugabe aus der Noten-Mottenkiste einen subtil erfühlten Walzer hin, und so war man wieder in der Heimat angekommen.

 

Dr. Robert Engl, veröffentlicht am 9.11.2006 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)