Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Herbst-Konzert vom 08.11.2008:

Gestalterische Schwergewichte

Wasserburgs Stadtkapelle feierte heuer ihr 55-jähriges Bestehen.

Zu ihrem diesjährigen Herbst-Konzert in der Badriahalle hatte Michael Kummer Höhepunkte aus den letzten 20 Jahren ausgesucht, alles gestalterische Schwergewichte, in denen die Spieler über zwei Stunden hinweg ihr großes Können unter Beweis stellen konnten. In Medleys aus Filmmusiken und Musicals wurden unentwegt Tempo- und Taktwechsel verlangt, schräge Rhythmen, Synkopen in Hülle und Fülle. Kein Problem war dies für die Routiniers um Michael Kummer, denn an Einfühlungsvermögen in die Welt der «Godfather Saga», des «Herrn der Ringe», den «Tanz der Vampire», «König der Löwen», in die Schlager eines Phil Collins, fehlte es nie. Alles funktionierte wie am Schnürchen, es «funkte» wie selbstverständlich. Zum klassischen Instrumentarium gesellten sich mittlerweile auch E-Bass, Keyboard, eine breite Palette an Schlagwerken - der Profi Siegfried Niedermeier glänzte an Pauke und Xylophon! Michael Kummer hat überdies unter seinen Laienspielern treffliche Solisten vorzuweisen, um nur Martin Zwiefelhofer an der Trompete zu nennen oder den berückenden Oboenton Horst Däullarys, die silbrig klingenden Flötensoli von Birgit Hundmaier und Hanna Hubers Tenorsax-Soli. Ja, Michael Kummer hatte in seiner Auswahl breiten Raum für alle möglichen Klangfarben vorgesehen.

Vornweg musizierte die Jugendkapelle mit Reminiszenzen an die Beatles, mit Filmmusik-Arrangements aus Westernklassikern. 70 Mitglieder zählt diese Nachwuchskapelle, und Michael Kummer führte aus, dass Jahr für Jahr ein Teil in die Hauptkapelle überwechselt und den Bestand der verschiedenen Bläserchöre auffüllt. Damit ist wohl jedes Mal die Aufgabe verbunden, auch mit erweitertem Instrumentarium dieselbe Akkuratesse und Transparenz zu erzielen, die sich jetzt in so hervorragender Weise zeigte.

Für die Jugendkapelle wiederum gibt es Nachwuchs genug. Vor Beginn präsentierten sich die ganz jungen Anfänger unter Leitung der frischgebackenen Bläserdirigentin Magdalena Grill. Geehrt wurde sie anlässlich ihres mit Auszeichnung bestandenen Diploms vom 2. Bezirksdirigenten Christian Danner. Auch die Alten wurden nicht vergessen: Erich Hofmann, Mitglied der ersten Stunde vor 55 Jahren, empfing unter großem Applaus die gebührenden Sonderehren von Bürgermeister Michael Kölbl .

Wie stets begleitete Michael Kummer das Programm mit erläuternden Worten. Er hatte gleich zu Beginn mit einem Beispiel seines musikalischen Humors aufgewartet: Auf die bombastischen Fanfarenklänge des «Zarathustra» von Richard Strauß setzte ohne Pause der leichtbeschwingte «Valdres»-Marsch aus dem hohen Norden ein - ein ausgezeichneter Kontrast zum Schmunzeln. Und so wünscht man sich auch die weiteren Konzerte!


Dr. Robert Engl, veröffentlicht am 12.11.2008 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)