Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Herbst-Konzert vom 07.11.2009:

Zauberhafte Blasmusik

Herbst-Konzert der Stadtkapelle Wasserburg vor ausverkauften Rängen

Ideenreichtum, bravouröse Spielkunst und ein vielseitiges musikalisches Repertoire sind Markenzeichen der Stadtkapelle Wasserburg. Für das diesjährige Herbstkonzert hatte Dirigent Michael Kummer zum Thema „Zauberlehrlinge“ überwiegend moderne Kompositionen arrangiert.

Gleich drei Formationen der Stadtkapelle zeigten in der ausverkauften Badria-Halle ihr Können. Zur Begrüßung gab die Bläserjugend unter der Leitung von Magdalena Grill ein kleines Standkonzert. Eröffnet wurde der Abend durch die Jugendkapelle mit dem festlichen Konzertmarsch „Arsenal“ des zeitgenössischen belgischen Komponisten Jan Van der Roost. Danach ging die Reise mit „Scandinavia“ weiter in den Norden. Der Niederländer Kees Vlak hat die symphonische Rhapsodie unter dem Pseudonym Alfred Bösendorfer im Jahr 2007 komponiert. Das Stück spiegelte musikalisch die spröde Schönheit Skandinaviens wieder: Seen, Moore und Wälder Finnlands, ein Bauerntanz in Schweden und der raue Winter Norwegens. Das junge Orchester meisterte die komplexen Tempoübergänge in den Sätzen auf brillante Art. Der eisigen Kälte im Norden folgte der milde „Frühling in Dänemark“ mit einem fulminanten Finale - „Freizeit im Tivoli“ - dem Kopenhagener Vergnügungspark.

Mit der Ouvertüre aus der Komischen Oper „Fra Diavolo“ übernahm die Stadtkapelle den zweiten Teil. Daniel François Esprit Aubers musikalische Räuberpistole aus dem Jahr 1830 wird nur noch selten inszeniert. Ihre temporeiche Marschmusik am Anfang aber fasziniert noch heute. Je weiter der Abend fortschritt, umso klarer wurde der eigentliche Themenabend. Kapellmeister Michael Kummer stellte die „Zauberlehrlinge“ in seinem Orchester vor. Saxophonistin Johanna Huber und Trompeter Christian Stephan überzeugten als Solisten jeweils mit Kompositionen für Altsaxophon und Trompete, perfekt begleitet von der Stadtkapelle. Der Solotromperter Martin Zwiefelhofer dirigierte den „Walzer Nr. 2“ von Dimitri Schostakowitsch, dem Publikum wohl vertraute Klänge aus dem Wasserburger Bürgerspiel. Schostakowitsch schrieb die Jazz Suite 1938, gerade als Diktator Stalin die geplante Deportation des Avantgarde-Komponisten nach Sibirien wegen dessen Popularität zurückgenommen hatte.

Magdalena Grill, die soeben ihre Dirigentenprüfung mit der "staatlichen Anerkennung" gemeistert hat, dirigierte noch einmal ihr Prüfungsstück „Pilatus - Berg der Drachen“, eine moderne Skizze von Steven Reinecke um die Sagenwelt des gleichnamigen Bergmassivs in den Emmentaler Alpen. Nach soviel magischen Talenten durfte zum Ende die Magie der Musik nicht zu kurz kommen. Michael Kummer übernahm wieder den Taktstock. Zur symphonischen Suite aus „Harry Potter und der Stein der Weisen“ von John Williams geisterten kleine Zauberlehrlinge auf Besen durch die Badria-Halle und spielten „Quidditch“, jene bekannte Sportart der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei.

Die Musiker verstanden es blendend, die Zuhörer zu begeistern und mitten ins Geschehen zu versetzen. Dirigent Michael Kummer bewies exzellente Fähigkeiten als Unterhalter. Mit Witz und Sympathie sorgte er unaufgeregt für das inhaltliche Verständnis der Kompositionen. Besonders die Zugabe hätte auch unsere Lieblingsnachbarn erfreut. Die Stadtkapelle spielte und sang „Dem Land Tirol die Treue“, ein flotter Marsch, der gerade bei Österreichs Jugend ungeheuer populär ist.

Wolfgang Janeczka, veröffentlicht am 12.11.2009 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)