Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Herbst-Konzert vom 06.11.2010:

Mut zu Kontrast und Vielfalt

Das traditionelle Herbst-Konzert der Stadtkapelle Wasserburg zählt zu den musikalischen Höhepunkten in Wasserburg. Auch in diesem Jahr überzeugten die einzelnen Orchester mit einer pittoresken Auswahl klassischer und zeitgenössischer Kompositionen, deren Arrangements keine Wünsche offen ließen.

Das traditionelle Herbst-Konzert der Stadtkapelle Wasserburg zählt zu den musikalischen Höhepunkten in Wasserburg. Auch in diesem Jahr überzeugten die einzelnen Orchester mit einer pittoresken Auswahl klassischer und zeitgenössischer Kompositionen, deren Arrangements keine Wünsche offen ließen.

Das Anfängerorchester der Stadtkapelle brachte beim Einzug in die Badria-Halle musikalische Willkommensgrüße entgegen. Der Bläserjugend unter Dirigentin Magdalena Grill machte es sichtlich Vergnügen vor großem Publikum zu spielen. Die kurzen Stücke waren bereits ein erster kleiner Höhepunkt. Hinter dem Erfolg steht nicht umsonst ein enormes Engagement, das der Musikverein in seine Nachwuchsarbeit investiert. Die Jugendkapelle eröffnete dann mit der „Lustspiel-Ouvertüre“ des ungarischen Komponisten Béla Kéler den ersten Teil. Danach folgte mit der zeitgenössischen „Discovery Fantasie“ des Niederländers Jan de Haan eine musikalische Entdeckungsreise, die in Ägypten bei König Moses und Pharao Ramses endete. Hollywood-Komponist Hans Zimmer hatte für die Filmmusik „The Prince of Egypt“ 1999 seine fünfte Oscar-Nominierung erhalten.

 Große Opernmusik eröffnete das Hauptkonzert der Stadtkapelle. Die Ouvertüre aus Giuseppe Verdis „Die Jungfrau von Orléans“ führte die Zuhörer in die Romantik. Auch beim zweiten Stück verweilte das Orchester in der Zeit um 1870. Die „Peer-Gynt-Suite Nr. 1“ von Edvard Grieg gilt als unverwechselbares Orchesterstück für romantische Musik. Von der Mythenwelt Norwegens folgte der Wechsel zu den zart schmelzenden Melodien der 50er Jahre. Kapellmeister Michael Kummer hatte dazu die „Elisabeth-Serenade“ des Briten Ronald Binge ausgewählt. „Hör mein Lied Elisabeth“ ist wohl eines der eingängigsten Beispiele für die British Light Music. Kein Wunder, dass die Melodie, die auch als Filmmusik zur „Försterchristel“ bekannt ist, selbst heute noch über echte Ohrwurmqualität verfügt.

Der zweite Teil führte musikalisch in den Westen der USA. In seiner gerade erst veröffentlichten Komposition „Beautiful Oregon“ schildert James Barnes seine Reiseindrücke durch das Land voller Naturschönheiten. Kapellmeister Michael Kummer hatte stets amüsante Geschichten zu den Komponisten und deren Musik parat. Zudem bewies seine Auswahl Mut zu Kontrast und inhaltlicher Vielfalt. Das zeigte auch das folgende „Capriccio für Tuba und Blasorchester“ des Flamen Eric Mast. Magdalena Grill als hervorragende Tuba-SolistinNun ist das tiefste aller Blechinstrumente schon vom Gewicht her nicht gerade ein typisches Instrument für eine Musikerin. Magdalena Grill aber überzeugte als hervorragende Tuba-Solistin.

Mit dem musikalischen Einzug in die Kampfarena erreichte der Abend schließlich seinen Höhepunkt. Die symphonische Dichtung für Blasorchester des Belgiers Dirk Brossé „El Golpe Fatal“ führte in die kontrovers diskutierte Welt des Stierkampfes in Lateinamerika. Dabei war die Komposition, die den Todesstoß durch den Torero als Titel trägt, keineswegs nur auf die Heroisierung der Corrida-Helden ausgelegt. Vielmehr verstand es die Melancholie im Stück auch das Leiden des Stieres wiederzugeben, der sein Leben für die Unterhaltung der Massen lässt.

Auf soviel musikalisch Ergreifendes fiel die Wahl der Zugabe nicht leicht. Selbst hier wusste Kapellmeister Michael Kummer das passende Rezept. Mit dem „Kärntner Liedermarsch“, 1861 von Anton Seifert komponiert für die Preußische Armee, und „Carneval in Sao Paulo“ von James Barnes fand ein großartiges Konzert wieder zum heiteren Ende. Das Publikum würdigte die Leistungen des Dirigenten und seines hochkonzentrierten Orchesters mit einem donnernden Schlussapplaus.

Wolfgang Janeczka, veröffentlicht am 09.11.2010 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)