Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Jubiläums-Konzert "50 Jahre Stadtkapelle" vom 29.03.2003:

Kurze Worte und viel gute Musik

Michael Kummer, der Leiter der Stadtkapelle Wasserburg, nahm beim Konzert zum 50-jährigen Bestehen in der Badria-Halle zu Beginn die Begrüßung von Zuhörern und Honoratioren gleich selbst vor.

Kurze Worte, denn man wollte ja hauptsächlich Musik machen, und diesmal hatten die Mitwirkenden selbst entscheiden dürfen, was sie aus ihrem Repertoire am liebsten zum Besten geben wollten. In 50 Jahren hatte sich bei der Stadtkapelle mancher Wandel vollzogen: Schon äußerlich war das daran erkennbar, dass der Dirigent sich jetzt vor den traditionellen roten Trachten der Spieler in Schwarz postiert, als ein Maestro, der die Kapelle zu neuen Zielen führen soll, wie dies ja auch Heinz Radzischewski als Vorgänger schon begonnen hatte.

Exakt, wie am Schnürchen, klappten die Paradestücke der Jugendkapelle: «Musik aus den Highlands», eine Sammlung von modischer Blasmusik, ein Rumba, der gemäßigt und außer von Seiten der Rhythmusgruppe noch etwas zu brav gespielt erschien. Ja, es klang noch nach Schule, nach US-Highschoolband, und die -Instrumentalisten schienen sich noch auf dem Weg zu Ausdruck und Spielübermut zu befinden. Aber dies wird noch kommen, oder besser: Es existiert bereits, denn Michael Kummer steckt die Fortgeschritteneren gleich in die Hauptkapelle zu den älteren Spielern, fordert sie und löst damit das Generationenproblem kontinuierlich. Der Erfolg ist hörbar.

Und so fetzte Offenbachs Ouvertüre «Orpheus in der Unterwelt» über die Bühne mit routinierten Solisten an Klarinette und Oboe, und vier Mädchen der Stadtgarde tanzten Cancan vor den Augen der Honoratioren aus Stadt und Landkreis. Im «Kaiserwalzer» nutzten die Musiker allen Charme, den Johann Strauß in seine Musik gesteckt hatte. Ein Marsch aus Lothringen zeigte, dass solche Musik nicht unbedingt martialisch einherstampfen muss: Ein heiteres friedfertiges Europa ließ grüßen! Ein Potpourri aus Lloyd Webbers «Phantom der Oper» präsentierte sich als großes Theater mit viel Klangzauber. Man ist auf dem Weg zum symphonischen Blasorchester!

Jetzt aber kam der Höhepunkt: George Gershwins Auswahl der schönsten seiner Hits, ein herrliches Trompetensolo - und Swing, so dass «I got Rhythm» geradezu in der Luft lag, bis es sich am Ende hörbar in voller Wucht Bahn brach. «Robin Hood, König der Diebe» brachte rhythmische Hürden mit sich, die aber von den Wasserburgern mit Bravour gemeistert wurden - und Michael Kummer versagte sich bei seiner witzigen Conference nicht, das englische Königshaus mit einigen spitzen Bemerkungen zu versehen. Zum Schluss, mit John Miles' «Music was my first love», trugen auch die Klarinetten und Flöten in dezenten Synkopen zum Rhythmus bei und assistierten der Riege der Schlagzeuger treffsicher.

Der Griff ins Repertoire war gelungen. Aber die Musiker zeigten auch ein offenes Ohr dem Weltgeschehen gegenüber: In einer meisterlichen und engagierten Bearbeitung des «Dona nobis pacem» erklang das Friedensmotiv von hinten und von der Seite im Kanon der Trompeten, im Ausflug in entfernte Tonarten. Es war ein Abschluss in Ernst und Würde.

von Robert Engl, veröffentlicht am 02.04.2003 im OVB, unter Kultur in der Region