Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Jubiläums-Konzert "55 Jahre Stadtkapelle" vom 19.04.2008:

Schillernde Klangregister

Wenn bereits ihre beiden Nachwuchsorchester, Bläserjugend und Jugendkapelle, mit derart guten Leistungen auftrumpfen, wen wundert es da, dass die etablierte Stadtkapelle Wasserburg am Inn anlässlich ihres 55-jährigen Jubiläums in der Badria-Halle ein rundum gelungenes Konzert darbot. Nachdem die spritzigen Akteure der Bläserjugend das zahlreich erschienene Publikum auf musikalischem Wege zu seinen Plätzen geleitet hatten, eröffnete die Jugendkapelle den offiziellen Teil des Festkonzertes mit Kees Vlaks 1998 komponierter „Celebration Overture“ feierlich. Unter der straffen Stabführung ihres engagierten Leiters Michael Kummer warteten die jungen Talente, die mit Feuereifer bei der Sache waren, sodann mit Ted Huggens bekanntem Werk „Choral and Rock Out“ auf. Hierbei glänzte der Schlagzeuger Franz Bichler bei einer eindrucksvollen Soloeinlage.

Im Anschluss an den traditionellen, zünftig dargebrachten Marsch „Mir sein die Kaiserjager“ begrüßte Kummer – er führte zudem mit viel Charme und Hintergrundwissen durch das Programm – dann die Stadtkapelle Wasserburg, die den Hauptteil des Konzertes bestritt.

Sie hatte sich zu vorderst den Tschechischen Komponisten Bedrich Smetana und seinen fulminanten „Marsch zur Shakespeare-Feier“ auserkoren, der in einer überaus reizvollen Bearbeitung von Karel Belohoubek erklang. Dank der feinsinnig durchdachten Dynamik, in die sich filigrane Holzbläser-Einwürfe und insbesondere zarte Oboenklänge perfekt einfügten, ließ die Stadtkapelle Wasserburg Smetanas anspruchsvolle Komposition zu einem spannenden musikalischen Erlebnis werden. Dieses gipfelte in einem klangvollen, stimmig akzentuierten Finale.
„Wieviel Sechzehntel-Noten kann ein Bläser eigentlich pro Kilometer bewältigen“, fragte Kummer hierauf in Anspielung an Smetanas „Marsch der Komödianten und Springtanz“ aus der Oper „Die verkaufte Braut“ scherzhaft. Sicherlich sehr viele, denn die virtuose Interpretation durch die Stadtkapelle war frappant und zeugte von solidem technischem Können.

Zu Beginn des zweiten Teils ernannte Bürgermeister Michael Kölbl dann zunächst Erich Baumgartner und Helmut Hinterberger zu Ehrenmitgliedern der Stadtkapelle. Nach weiteren, erfreulichen Auszeichnungen (siehe Bericht Ehrungen) wurde das insgesamt betrachtet meist eher etwas zurückhaltende Publikum dann mit James Barnes „Appalachian Overture“ in diesen pittoresken Hochgebirgszug im Osten Amerikas entführt. Dabei stellten die einzelnen Instrumentengruppen die individuelle Klangfarbe ihrer Tonwerkzeuge einfühlsam heraus.

Als „Klassiker der Moderne“ für symphonisches Blasorchester kann John P. Zdechliks „Chorale and Shaker Dance“ bezeichnet werden. Die hierin zu Tage tretenden dissonanten Passagen arbeitete die Stadtkapelle mit einer gewissen versöhnlichen Weichheit heraus und verlieh ihnen somit einen geradewegs geheimnisvollen Charakter.
Schließlich hatte man sich mit einem Potpourri aus ABBAs „Chess“ (1984) noch der bunten Welt des Musicals verschrieben. Die harmonisch anmutende Stadtkapelle bediente sich hierbei nochmals all ihrer schillernden Klanregister.

 

Raphaela Hinterberger, veröffentlicht am 22.04.2008 im OVB unter Kultur in der Region (Landkreis Rosenheim)