Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Kirchen-Konzert vom 25.03.2001:

Sinfonische Blasmusik in der Fastenzeit

Fastenzeit - ein langer Kreuzweg, bei dem der vierte Sonntag «Laetare» ein Innehalten anbietet, um eine österliche Vorahnung zu vermitteln! «Froh überlasst euch der Freude», so klang der Konzertabend der Stadtkapelle Wasserburg in Wasserburgs Pfarrkirche St. Jakob mit dem ökumenischen Osterchoral «Gelobet sei Gott im höchsten Thron» aus. Die Komposition stammte von Kurt Gäble, einem jungen Blasmusikexperten aus dem Allgäu.

Kirchen-Konzert (Klick für großes Bild!)Dirigent und Moderator Michael Kummer fand einmal mehr die rechten Worte, um die gegensätzlichen Programmteile aus vier Musikepochen thematisch zu verbinden. Ein Novum stellte die Mitwirkung des Kirchenmusikers Elmar Ringel dar, der als versierter Organist das Abendprogramm sinnvoll ergänzte. Es kam so zu einem besonderen Klangerlebnis, indem sich die Musik der Stadtkapelle, im Altarraum postiert, mit den Orgelwerken auf der Empore gleichsam antiphonisch ergänzte. Als ein stilistisches Gegenüber wirkte auch die gesamte Programmfolge. Staunen erregte dabei der Beitrag von Peter Tschaikowsky, wohl aus seinem Zyklus «Neun liturgische Chöre». Dass es bis ins 19. Jahrhundert in Russland ausschließlich liturgische, nur vokale Musik gab, war gezielter Hinweis von Michael Kummer und die rechte Einstimmung auf die Fassung für sinfonisches Blasorchester. Helle Trompeten und gedämpfte Klänge von Hörnern und Bassinstrumenten vermittelten dabei die Vorstellung ostkirchlicher, zu Herzen gehender Männerchorgesänge. Gleichsam ein Bündel stilistisch gegensätzlicher Instrumentalmusik bildeten drei Kompositionen, eingeleitet durch das populäre «Largo» aus der Oper «Xerxes», dort eine ergreifend schöne Tenorarie, hier, in der Fassung für Blasorchester, wie eine Einstimmung auf die folgenden, beschwörenden Bitten um Frieden.

Mit Mendelssohn und Bach gab es erstaunlich thematische Querverbindungen. Des Romantikers frommer Gesang «Verleih uns Frieden gnädiglich» nahm dabei - in einer noblen Blasmusikfassung - das «Dona nobis pacem» vorweg, das thematisch zu Johann Sebastian Bachs Orgel-Triologie «O Lamm Gottes, unschuldig» gehört. Elmar Ringel führte im Anschluss, überaus feinfühlig registrierend, die drei Vorspiele, BWV 656, aus dessen 18 Leipziger Chorälen vor, durchkomponiert und so mit den drei Strophen eine klangmalerische Einheit bildend.

Der Wasserburger Pfarrorganist hatte noch weiteren Anteil an der Huldigung für Bach, als Nachtrag zu dessen Gedenkjahr 2000, so mit Präludium und Fuge A-Dur, BWV 536. Und Ringels Interpretation entsprach so recht dem Charakter des ruhig fließenden Präludiums und der beseelten Fuge, der man mit Recht überirdische Schönheit nachrühmt.

Diesen verinnerlichten Klängen waren zu Beginn drei Blasmusikwerke (als Bearbeitungen) vorangegangen. Diese wirkten in ihrer Gegensätzlichkeit äußerst belebend und gaben Kunde von Bachs vielseitigem Schaffen. Dessen «Fantasia G-Dur» bildet den Mittelsatz des «Piece d‘ Orgue», eines beliebten Paradestücks für Konzertorganisten. Dieses fünfstimmig homophone «Grave» ist aber auch eine im besten Sinne herausfordernde «Piece für Blasorchester». Dabei konnte das sinfonisch geschulte große Ensemble seine ganze Farbenpracht und weitgefächerte Dynamik einsetzen und mit dieser festlichen Intrada gleich einer Ouvertüre dem Charakter des Sonntags «Laetare» entsprechen. Wie eine Besinnung auf die ernste Passionszeit schloss sich das Sololied an: «Bist du bei mir, geh ich mit Freuden...», aus dem zweiten Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach. In der Blasorchesterfassung durften die Klarinetten und Oboen die «Vox humana» vertreten und den Mystiker Bach zur Geltung bringen. Und welcher Kontrast zu dem «Italienischen Konzert», das zu Bachs bekanntesten und beliebtesten Klavierwerken zählt! Der zartbesaitete Originalklang - auf dem zweimanualigen Konzertcembalo Bachs - konnte in der Bläserfassung nicht erwartet werden. Anreiz aber war gewiss die Freude am virtuosen Spiel. Sie kam auch im hier gebotenen ersten Satz zur Geltung, bei dem Bach kein Tempo angegeben hatte. Dirigent Michael Kummer wusste dies klug und richtig als moderates Tempo zu deuten. So gelang die Intention, Bachs markante Themen entsprechend hervorzuheben.

Die Wasserburger Stadtkapelle ist mit ihrem kontrastreichen Programm dem Doppelcharakter des Kirchenkonzerts in der Passionszeit und des Sonntags «Laetare» beispielhaft gerecht geworden und signalisierte im Zusammenwirken mit dem Organisten weitere Möglichkeiten modellhafter Programmgestaltung.

Ferdinand Mahl, 30.03.2001