Stadtkapelle Wasserburg am Inn e.V.

Presse-Kritik
über das Kirchen-Konzert vom 10.03.2002:

Kirchen-Konzert mit Kontrastprogramm

Kirchen-Konzert 2002 - großes BildZwei Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart standen im Mittelpunkt des Kirchenkonzerts der Stadtkapelle Wasserburg in der Pfarrkirche Sankt Jakob. Sie gerieten denn auch zum Höhepunkt eines Programmes, das Bekanntes und selten oder gar erstmals Gehörtes verband. Das «Ave verum corpus», für den Chorregenten von Baden bei Wien zum Fronleichnamsfest komponiert, tut in einer späten deutsch formulierten Fassung den doppelsinnigen Inhalt kund: «Wahrer Leib, sei uns gegrüßet,... du hast unsre Schuld gebüßet, sterbend auf dem Kreuzaltar». Mit einer geschickten Bearbeitung für Blasorchester wurde die feinsinnige Wiedergabe beidem gerecht. Die im Programm damit verbundene «Maurerische Trauermusik» gehört zum Ergreifendsten und Erschütterndsten, was Mozart geschrieben hat. Anlass war im Jahre 1788 der Tod zweier Logenbrüder. Die im Original verwendeten Bassetthörner (Altklarinetten) stellten in der Fassung für sinfonisches Blasorchester die Verbindung zu den Holzblasinstrumenten, insbesondere zu den Klarinetten, den «Violinen» im Blasorchester, her. Und der barocke Generalbass mit dem mystischen Tiefgang vervollständigte den Charakter der Trauermusik.

In Wasserburg hatte einst Vater Leopold seinem Sohn Wolfgang in der Pfarrkirche das Orgelpedal erklären wollen, doch der achtjährige Knabe spielte allsogleich, als ob er es von jeher beherrscht hätte. So wäre auch das eine oder anderen Orgelwerk aus späteren Jahren leicht in das Programm einzufügen gewesen. Die in Wirklichkeit folgenden Orgelbeiträge aber gehörten zu den in Wasserburg wenig oder gar nicht bekannten Meis-terwerken der Moderne. Stadtpfarrorganist Elmar Ringel brachte sie in meisterlicher Registrierung zur Darstellung von Tragik und Trauer. Er stellte damit aktuelle Bezüge zur Gegenwart her. Vor Mozarts «Ave Verum» postiert: von Arvo Pärt das Auftragswerk «Annum per Annum», dynamisch und klanglich kontrastreich, mit manisch sich wiederholendem, einhämmernden Motiv, mit lyrischen Varianten auch versöhnlich, eine Botschaft des Komponisten aus Estland. Nach Mozarts Trauermusik: des frühvollendeten Franzosen Jehan Alain (1911 bis 1939) «Litanies», eine höchst anspruchsvolle Orgelmusik, in Elmar Ringels Wiedergabe ein unüberhörbarer Anruf in höchster Not. 

Den einheimischen Musikfreunden wohlvertraut ist Hans Mielenz, der in Aschau lebte. Sein «Festlicher Bläserauftakt», 1971 im Inntalverlag erschienen, hatte vornehm das abendliche Kirchenkonzert eingeleitet. Festliches Barock schien dann die natürliche Fortsetzung zu sein. Wie eine Erstaufführung für die Wasserburger Zuhörer wirkte Georg Friedrich Händels Musik aus dem Oratorium «Saul», so vielgliedrig, dass man sich - zur Orientierung - auf dem Programm die Namen der fünf Sätze gewünscht hätte, vielleicht auch eine kurze Inhaltsangabe des Moderators. Johann Sebastian Bachs Orchestersuite Nr. 3, mit ihren fünf Sätzen von umfassender Aussage, hätte mit Pauken und Trompeten zu viel festlichen Glanz verbreitet, war daher im «Mittfasten»-Konzert so nicht einzusetzen. In der bewegt wirkenden Blasmusikfassung bekam die «Air» als Einzelsatz weniger lyrisches Gewicht, als vielmehr vorwärtsdrängenden Impetus.

Ebenfalls als populär gilt das instrumentale Zwischenspiel zur Oper «Notre Dame» des Österreichers Franz Schmidt (1874 bis 1939). Die Handlung muss wohl auf seine Zeitgenossen besonderen Eindruck gemacht haben. Die Musik, an Richard Wagner gemahnend, wirkte auch im Zwischenspiel eigenständig; und das Libretto scheint eine groteske Verbindung der Tristan-, Penelope- und Rigoletto-Thematik eingegangen zu sein. Das berühmt gewordene Zwischenspiel wurde bereits 1903 in Wien uraufgeführt und mit der Bemerkung versehen: «... aus einer noch unvollendeten romantischen Oper»!

Keinesfalls eine Zugabe wollte der abschließende, traditionelle «Herzog von Braunschweig»-Marsch sein, wohl aber im festlich sinfonischen Klang ein Ausdruck legitimer Freude. Michael Kummer war auch an diesem Abend überzeugender Dirigent und Kommentator.

Ferdinand Mahl,
veröffentlicht am 13.03.2002 im Kulturteil des OVB